50 Jahre Büchsenwurf: Unterhaltsamer Talk-Abend im BORUSSIA-PARK

Zwei Tage vor dem Jubiläum des legendären Büchsenwurf-Spiels vom Bökelberg blickten am Montagabend unter anderem Wolfgang Kleff und Rainer Bonhof bei einem unterhaltsamen wie anekdotenreichen Talk-Abend im BORUSSIA-PARK auf den 20. Oktober 1971 zurück.

Im „Raum Büchsenwurf“ im BORUSSIA-PARK verliest Rolf Göttel in seiner bekannten Manier die Mannschaftsaufstellung – so wie er es vor genau 50 Jahren im mit 27.500 Zuschauern vollbesetzten Bökelbergstadion tat. Am 20. Oktober 1971 eröffnete er damit einen unvergesslichen und mythenumrankten Europapokalabend. Denn im Europapokal der Landesmeister gewann Borussia damals furios mit 7:1 gegen Inter Mailand. Es ist der größte Triumph und die wahrscheinlich bitterste Niederlage der Klubgeschichte in einem. Denn das vielleicht beste Spiel der Vereinsgeschichte wurde kurze Zeit später von der UEFA annulliert – weil eine Coca-Cola-Dose den damaligen Inter-Star Roberto Boninsegna am Kopf getroffen und so verletzt haben soll, dass dieser später mit einer Trage vom Platz getragen wurde. Nun, 50 Jahre später, eröffnet Borussias damaliger Stadionsprecher mit der Mannschaftsaufstellung einen äußerst unterhaltsamen wie anekdotenreichen Talk-Abend rund um dieses Büchsenwurf-Spiel.

100 Borussia-Fans im ausverkauften „Raum Büchsenwurf“

Rund 100 Borussia-Fans sowie Zeitzeugen kamen am Montagabend zusammen, um die Erinnerungen an dieses historische – und bis heute heiß diskutierte – Ereignis aufleben zu lassen. So erinnerten sich Wolfgang „Otto“ Kleff und Rainer Bonhof, die an jenem 20. Oktober 1971 für die FohlenElf auf dem Rasen standen, im Gespräch mit Moderator Torsten „Knippi“ Knippertz an das 7:1, das Bonhof als „Borussias bestes Spiel jener Dekade“ bezeichnet. „Es tut immer noch ein bisschen weh, über diesen Abend zu sprechen“, sagte Borussias Welt- und Europameister. Und Kleff ergänzte: „Wir hatten schon während des Spiels und erst recht danach kein gutes Gefühl. Wir haben geahnt, dass da noch etwas nachkommt. Die Mailänder werden nach diesem 7:1 mit Sicherheit was daraus machen, das war ja eine Demontage vom großen Inter Mailand. Und so passierte es dann ja auch.“

Dabei habe die Dose Roberto Boninsegna gar nicht am Kopf getroffen – beteuerte Volker Klüttermann. Er hatte damals als 26-Jähriger zum Sicherheitspersonal auf dem Bökelberg gezählt und konnte die Szene auf dem Platz aus nächster Nähe verfolgen. „Mir ist es bis heute ein Rätsel, wie bei ihm eine Gehirnerschütterung diagnostiziert werden konnte.“ Zudem stellte Klüttermann am Montagabend im „Raum Büchsenwurf“ einmal mehr klar: „Die Büchse war leer, nicht voll.“

Vorstellungen zweier Bücher zum Thema

Boninsegna indes bleibt auch nach 50 Jahren bei seiner Darstellung der Ereignisse. „Ich habe nichts in Szene gesetzt! Nie!“, beteuert der Italiener. Sportjournalist Javier Cáceres hatte für die Süddeutsche Zeitung persönlich bei ihm nachgefragt. Der entstandene Artikel ist Teil des Buches „Der Büchsenwurf vom Bökelberg. Die ganze Geschichte“. Das Autorenteam Markus Aretz, Michael Lessenich und Matthias Rech hat dem Duell gegen Inter damit ein 128 Seiten starkes und reich bebildertes Denkmal gesetzt, das bei der Veranstaltung am Montagabend auch vorgestellt wurde. „Ich bin froh, dass dieses Buch geschrieben wurde, damit die Nachwelt nachempfinden kann, was an diesem Abend auf dem Bökelberg los war“, so Bonhof. Ebenso stellte der Autor und Borussia-Fan Sascha Gutzeit am Abend sein Buch zum Thema vor und gab eine kurze Leseprobe: „Der Mann, der keine Büchse warf“ ist ein fiktiver Kriminalroman, der sich rund um das Büchsenwurfspiel entspinnt.

Trotz aller Kuriositäten rund um die Büchsenwurf-Partie können Bonhof und Kleff dem Spiel auch Positives abgewinnen. „Das war das Spiel der Spiele. Nach diesem Abend wurde europaweit Mönchengladbach unfallfrei ausgesprochen“, sagte Bonhof. Und Kleff fügte hinzu: „Auch wenn es bis heute schmerzt, dass sie uns das Ergebnis weggenommen haben. Aber dieses Spiel ist gewinnbringend für Borussia Mönchengladbach gewesen. Dieses Spiel gehört zur DNA von Borussia. Dieses Spiel, dieses Ergebnis, die ganzen Umstände dieses Abends am Bökelberg führen dazu, dass noch sehr lange über dieses Spiel gesprochen wird. Zum 100-jährigen Treffen kommen wir hoffentlich auch wieder alle so zusammen.“

Der „Corpus Delicti“, die Original-Cola-Büchse, die der damalige Schiedsrichter Jef Dorpmans aus den Niederlanden damals mitgenommen hatte und die dadurch zunächst im Museum von Vitesse Arnheim gelandet war, kann inzwischen in Borussias interaktivem Vereinsmuseum, der FohlenWelt, besichtigt werden. 

 

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